Atomwaf­fen­freie Zone: Alter­native zur nuklearen Aufrüstung Europas

59 Jahre atomwaf­fen­freie Zone in Latein­amerika und der Karibik

Presse­mit­teilung des Aktions­bünd­nisses “atomwaffenfrei.jetzt” vom 25.02.2026

Die 33 Mitglied­staaten des Vertrags von Tlate­lolco (Mexiko) haben im Februar anlässlich des 59. Jahres­tages der Unter­zeichnung dieses Abkommens über eine atomwaf­fen­freie Zone in Latein­amerika und der Karibik die vollständige weltweite Abrüstung aller Atomwaffen gefordert.

Das bundes­deutsche Aktions­bündnis „atomwaffenfrei.jetzt“ begrüßt diese Erklärung als Mahnung in einer Zeit, in der führende Politiker West- und Mittel­eu­ropas eine Ausdehnung atomarer Rüstung fordern. „Ein atomarer Schutz­schirm für Europa ist schon vom Wort her eine Irreführung der europäi­schen Bevöl­ke­rungen“ betont Hildegard Slabik-Münter für das Aktions­bündnis. „Auch Deutschland würde durch neue atomare Teilha­be­mo­delle mit Frank­reich oder Großbri­tannien der Gefahr nuklearer Total­ver­nichtung ausge­setzt. Statt­dessen könnte eine atomwaf­fen­freie Zone in Mittel­europa eine Chance für die Entwicklung ‚Gemein­samer Sicherheit‘ bieten.“

Das Aktions­bündnis würdigt den 59. Jahrestag des Bestandes einer verbind­lichen atomwaf­fen­freien Zone in Süd- und Mittel­amerika und begrüßt die Erklärung der Vertrags­staaten von Tlate­lolco vom 14. Februar 2026. Mit dem Vertrag wurde erstmals eine atomwaf­fen­freie Zone über bewohntem Gebiet vereinbart. Zunächst ausgehend von Mexiko und El Salvador umfasst diese Zone seit 2002 alle 33 Staaten Latein­ame­rikas und der Karibik.

Es handelt sich um ein völker­rechtlich verbind­liches Abkommen, das durch Zusatz­ver­träge auch von den „offizi­ellen“ Atomwaf­fen­staaten respek­tiert wird. Atomwaf­fen­staaten dürfen innerhalb der Zone keine Atomwaffen statio­nieren und in keinem Fall einsetzen. Der Vertrag beinhaltet das dauer­hafte Verbot von Tests, Einsatz, Herstellung, Erwerb, Lagerung und Statio­nierung von Kernwaffen im gesamten Vertrags­gebiet unter Einrichtung eines Kontroll­systems (OPANAL) sowie der Zusam­men­arbeit mit der Inter­na­tio­nalen Atomener­gie­or­ga­ni­sation (IAEO), um die Einhaltung zu überwachen.

Mit dem Vertrag von Tlate­lolco, dem Pelindaba-Vertrag zur atomwaf­fen­freien Zone in Afrika, dem Rarotonga-Vertrag zum Südpa­zifik und dem Vertrag von Bangkok zu einem Großteil Südasiens sind alle Landmassen der südlichen Hemisphäre der Erde atomwaf­fenfrei. „Die Verträge zu atomwaf­fen­freien Zonen auf der südlichen Erdhalb­kugel samt ihrer Überwa­chungs­systeme beweisen, dass auch weltweit vollständige und kontrol­lierte atomare Abrüstung möglich ist“, so Martin Singe vom Aktions­bündnis „atomwaf­fenfrei jetzt“.

Die Vertrags­staaten von Tlate­lolco äußern „ihre tiefe Besorgnis über die Bedrohung des Überlebens der Menschheit durch die Existenz von etwa 12.241 Atomwaffen sowie über die katastro­phalen humani­tären Auswir­kungen und Folgen ihres Einsatzes oder einer absicht­lichen oder verse­hent­lichen Detonation“ und „bekräf­tigen die Priorität einer überprüf­baren, irrever­siblen, trans­pa­renten und vollstän­digen nuklearen Abrüstung“.

Des weiteren nimmt die Stellung­nahme wie folgt Bezug auf die beiden in diesem Jahr wichtigsten anste­henden UN-Weltkon­fe­renzen für nukleare Abrüstung:

Die Vertrags­staaten von Tlate­lolco „verpflichten sich zu einer konstruk­tiven Zusam­men­arbeit für den Erfolg der Überprü­fungs­kon­ferenz der Vertrags­par­teien des Vertrags über die Nicht­ver­breitung von Kernwaffen (NVV) im Jahr 2026, die vom 27. April bis zum 22. Mai 2026 in New York statt­finden wird, da dieser Vertrag den Grund­stein des inter­na­tio­nalen Systems der Nicht­ver­breitung von Kernwaffen und der Abrüstung bildet“ und „nehmen zur Kenntnis, dass die erste Überprü­fungs­kon­ferenz zum Vertrag über das Verbot von Kernwaffen (TPNW) vom 30. November bis 4. Dezember 2026 in New York unter dem Vorsitz Südafrikas statt­finden wird. Es wird darauf hinge­wiesen, dass Latein­amerika und die Karibik die Region mit der größten Anzahl von Vertrags­staaten dieses inter­na­tio­nalen Instru­ments sind und dass der TPNW sich dem Vertrag von Tlate­lolco und dem NVV angeschlossen hat, um diese Massen­ver­nich­tungs­waffen auf trans­pa­rente, überprüfbare und irrever­sible Weise zu besei­tigen“.

Die vollständige Erklärung zum 59. Jahrestag des Vertrages von Tlate­lolco kann hier nachge­lesen werden: https://ipb.org/communique-by-the-opanal-member-states-on-the-occasion-of-the-59th-anniversary-of-the-treaty-of-tlatelolco/

Das bundes­deutsche Aktions­bündnis „atomwaf­fenfrei jetzt“ ruft die Bundes­re­gierung und die Parlamentarier*innen des Bundes­tages dazu auf, das Wissen über die Möglichkeit atomwaf­fen­freier Zonen zu fördern und selbst Schritte konkreter atomarer Abrüstung einzu­leiten, beginnend mit dem Abzug der Atombomben aus Büchel.