30 Jahre IGH-Gutachten zu Atomwaffen – 55 Promi­nente fordern: „Atomare Abrüstung darf kein leeres Versprechen bleiben“

Presse­mit­teilung – 7. Juli 2026

55 promi­nente Persön­lich­keiten aus Kultur, Wissen­schaft, Politik, Kirche und Zivil­ge­sell­schaft haben heute einen gemein­samen Offenen Brief an die Bundes­re­gierung und den Deutschen Bundestag veröf­fent­licht. Sie fordern neue politische Initia­tiven für nukleare Abrüstung, die Stärkung des Völker­rechts und die Vorbe­reitung eines deutschen Beitritts zum UN-Atomwaf­fen­ver­bots­vertrag

Zu den Erstun­ter­zeich­nenden gehören unter anderem Gernot Erler (Staats­mi­nister a.D.), Brigitte Lösch (ehem. Vize-Landtags­prä­si­dentin), Michaela Wiezorek (Bürger­meis­terin von Königs Wuster­hausen), der Schau­spieler Kai Schumann, die deutsch-franzö­sische Band „Zweier­pasch“ sowie Phon van den Biesen (Co-Präsident der inter­na­tio­nalen Juris­ten­or­ga­ni­sation IALANA), der EKD-Friedens­be­auf­tragte Friedrich Kramer und die Friedens­for­scherin Dr. Christine Schweitzer.

„Die Gefahr eines Atomkriegs ist heute wieder so groß wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Gerade deshalb dürfen die völker­recht­lichen Verpflich­tungen zur nuklearen Abrüstung nicht in Verges­senheit geraten“, betont Dr. Inga Blum, Co-Vorsit­zende der Inter­na­tio­nalen Ärzt*innen zur Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) und ebenfalls Erstun­ter­zeich­nende.

Anlass für den Offenen Brief ist der 30. Jahrestag eines wegwei­senden Gutachtens des Inter­na­tio­nalen Gerichtshofs in Den Haag (IGH) zur Völker­rechts­wid­rigkeit von Atomwaffen. Am 8. Juli 1996 stellte der IGH fest, dass die Drohung mit und der Einsatz von Atomwaffen grund­sätzlich gegen die Regeln des humani­tären Völker­rechts verstoßen.

Angesichts der aktuellen sicher­heits­po­li­ti­schen Entwick­lungen sehen die Unter­zeich­nenden darin einen unver­mindert gültigen politi­schen Auftrag. Sie erinnern daran, dass Atomwaffen Massen­ver­nich­tungs­waffen mit unkon­trol­lier­baren humani­tären Folgen sind und dass sich alle Vertrags­staaten des Vertrags zur Nicht­ver­breitung von Atomwaffen verpflichtet haben, ernst­hafte Verhand­lungen über vollständige nukleare Abrüstung zu führen.

„Das Versprechen, Atomwaffen weltweit zu ächten und abzuschaffen, muss eingelöst werden!“, betonen die Unter­zeich­nenden des Offenen Briefes. Sie appel­lieren daher an Bundes­re­gierung und Bundestag, sich entschieden für nukleare Rüstungs­kon­trolle und die Stärkung des Völker­rechts einzu­setzen.

Der Offene Brief an die Bundes­re­gierung und den Bundestag wurde initiiert und organi­siert vom „Aktions­bündnis atomwaffenfrei.jetzt“ – einem Netzwerk von rund 80 deutschen Friedens­or­ga­ni­sa­tionen und ‑gruppen – in Koope­ration mit ICAN Deutschland.

Ab sofort ist der Brief drei Wochen lang zur allge­meinen Unter­zeichnung offen unter: https://nuclearban-tour.de/nuclearban-tour/30-jahre-igh/

 Zum Hinter­grund

Am 8. Juli 1996 veröf­fent­lichte der Inter­na­tionale Gerichtshof in Den Haag ein Gutachten zur Recht­mä­ßigkeit von Atomwaffen. Darin stellte das höchste Gericht der Vereinten Nationen fest, dass die Androhung und der Einsatz von Atomwaffen grund­sätzlich mit den Regeln des humani­tären Völker­rechts unver­einbar sind. Zugleich bekräf­tigte der Gerichtshof die Verpflichtung aller Staaten, in gutem Glauben Verhand­lungen über eine vollständige nukleare Abrüstung zu führen und erfolg­reich abzuschließen. Dieser Verpflichtung kommen die Atomwaf­fen­staaten jedoch weiterhin nicht nach.

Den vollstän­digen Offenen Brief mit allen Erstun­ter­zeich­nenden finden Sie hier.

Ab sofort ist der Brief drei Wochen lang zur allge­meinen Unter­zeichnung offen unter: https://nuclearban-tour.de/nuclearban-tour/30-jahre-igh/