Rede von Hans Lammerant
Deutsche Übersetzung der Rede:
Ich bringe Euch Grüße von der Kampagne Bombspotting [dt.: die Bombe auskundschaften] in Belgien. Ihr sollt wissen, dass Ihr in Eurem Kampf nicht alleine seid. An etlichen Orten in Europa müssen sich die Menschen mit Atomwaffen in ihrer Nachbarschaft auseinandersetzen. Und überall gibt es Proteste dagegen. In Belgien führen wir Inspektionen der Atomwaffenbasis Kleine Brogel durch sowie des NATO-Hauptquartiers in Brüssel und von SHAPE das ist das militärische Hauptquartier der NATO. Bis zu tausend Menschen versuchen jeweils, in die Basis einzudringen, um eine verrückte und verbrecherische Politik zu beenden. Sie alle haben klar gemacht, dass sie dem humanitären Völkerrecht Geltung verschaffen wollen, wenn unsere Regierung das nicht tut. Sie machten klar, dass Drohungen mit Strafverfolgung und Stacheldraht, dass Tausende von Polizisten und Militärs sie nicht davon abhalten können, selbst alles zu tun, um der rechtswidrigen Regierungspolitik ein Ende zu setzen, die unsere Erde und unsere Lebensgrundlagen bedroht. Ich hoffe, wir können heute auch von hier ein machtvolles Signal aussenden.
Es ist wichtig, dass wir uns gegenseitig unterstützen. Wir müssen erkennen, dass wir in unserem Kampf nicht alleine sind, und wir müssen unseren Protest miteinander verknüpfen. Damit stärken wir uns gegenseitig, denn nur gemeinsam können wir diesen Kampf gewinnen. Unsere Regierungen treffen Entscheidungen über diese Atomwaffen nicht unabhängig voneinander. Die Verbindung zwischen all diesen Atomwaffenbasen ist die NATO. Die Stationierung dieser Atomwaffen ist eine Folge von NATO-Politik. Um dies zu ändern, reicht politischer Druck in einem Land nicht aus, er muss schon europaweit sein. Aufgrund unserer Aktionen spricht sich heute in Belgien keine einzige Partei mehr für die weitere Stationierung von US-Atomwaffen in unserem Land aus. Christdemokraten, Liberale, Sozialisten und Grüne – sie alle sagen, dass wir diese Atomwaffen los werden müssen, und sie haben im Parlament sogar eine entsprechende Resolution verabschiedet. Aber sie sagen auch, dass Belgien diese Entscheidung nicht alleine treffen kann, dass das in der NATO passieren muss. Daher sind wir nicht deshalb aus Belgien angereist, weil wir den hiesigen Wein so toll finden oder um alte Freunde wieder zu sehen, sondern weil wir auch hier aktiv werden wollen. Wir sind darauf angewiesen, dass ihr euch aktiv gegen Eure Regierung stellt, und ihr seid darauf angewiesen, dass wir zu Hause das gleiche tun. Und zwar, um ein Problem los zu werden, das uns gleichermaßen betrifft.
Nächstes Jahr feiert die NATO ihr 60-jähriges Bestehen. Die NATO wird dann nicht nur eine Geburtstagsparty in Straßburg und Kehl feiern, sondern auch ihr Strategisches Konzept überarbeiten. Das Strategische Konzept definiert die Grundzüge der NATO-Politik, einschließlich der nuklearen Strategie. Wenn das Konzept zur Diskussion steht, dann steht auch die Nuklearstrategie wieder zur Diskussion. Wir müssen gemeinsam sicherstellen, dass unsere Regierungen den Mut aufbringen, die Abschaffung der Atomwaffen in Europa zu fordern. Wir müssen gemeinsam klar machen, dass 60 Jahre mit verrückter Kalte-Krieg-Politik, mit Kriegsspielen und nuklearem Roulett reichen. NATO, the game is over.
Diese Atomwaffen sind ein Problem für uns. Lasst uns sicherstellen, dass sie auch ein Problem für unsere Regierungen werden. Wenn unsere Regierungen unsere Stimme nicht hören wollen, dann müssen wir uns Gehör verschaffen. In Belgien haben wir in der politischen Debatte eine Stimme gewonnen, weil wir in die Basen hineingingen und sie auf Atomwaffen inspiziert haben. Das konnte die Regierung nicht ignorieren, sie musste reagieren. Das bedeutete auch, dass die Politiker über Atomwaffenpolitik diskutieren mussten. Aufgrund unserer Aktionen ist die politische Debatte aufgebrochen. Ich hoffe, dass mit dem heutigen Tag Atomwaffen auch in Deutschland wieder anders diskutiert werden.
Lasst uns jetzt sicherstellen, das Atomwaffen auch hier für die Regierung ein Problem werden. Ich hoffe, wir sehen uns in naher Zukunft auf der anderen Seite des Zaunes! Und ich hoffe, ihr alle sorgt mit dafür, dass auch der NATO bei ihrer Geburtstagsparty nächstes Jahr im April klar wird, dass Atomwaffen ein Problem sind.
Rede im englischen Original:
I bring you the greetings of the Bombspotting-campaign from Belgium. I want to make clear you are not alone in your struggle. At different places in Europe people are confronted with nuclear weapons in their neighbourhood. And at all these places people are confronting this deployment of nuclear weapons. In Belgium we are doing inspection actions at the nuclear weapons base of Kleine Brogel, at NATO HQ in Brussels and at SHAPE (NATO's military HQ). Up to thousand people have each time been trying to get into the base to end a crazy and criminal policy. All these people made clear that they were prepared to uphold humanitarian law, even when our government decided to ignore it. They made clear that threats of prosecution, barbed wire and thousands of policemen and military would not scare them away from doing their own attempt to end illegal, life- and earth-endangering government policy. I hope we can together give a similar message here.
It is important to support each other, to notice that you are not alone in your struggle and to link our struggles. This to strengthen each other but also because we will never win this struggle on our own. Our governments do not take decisions about these nuclear weapons in isolation. The link between all these nuclear weapons bases is NATO. The deployment of these nuclear weapons is a consequence of NATO policy. If we want to change this, political pressure in one country is not enough, it has to be Europe-wide. Due to our actions not a single Belgian political party defends the presence of nuclear weapons anymore. Christian-democrats, liberals, socialists and greens, all say they want to get rid of these nuclear weapons and have even voted a parliamentary resolution with this demand. But they also say that Belgium can not take a decision on its own, it has to be done in NATO. So if we are here from Belgium, it is not just because we like the local wine or want to see our friends back, but because we also have to take action here. We need you to take action towards your government, and you need us to take action against our government, and this to get rid of a common problem.
Next year NATO will have its 60th anniversary. It will not just hold a birthday party in Strasbourg and Kehl, it will also open the Strategic Concept for review. The Strategic Concept contains the basic policy of NATO, including the nuclear strategy. When it is opened for review, also the nuclear strategy is open for discussion again. Together we have to make sure that our governments have the courage to demand the elimination of the nuclear weapons from Europe. Together we have to make clear that 60 year of crazy Cold war policies, of war games and nuclear roulette is enough. NATO, the game is over.These nuclear weapons are a problem for us. Let's make sure they become a problem for our governments as well. When our governments do not want to hear our voices, we have to make us heard. In Belgium we gained a voice in the political debate by entering the military bases to inspect them for nuclear weapons. This was something the government could not ignore, it had to react. This also meant, politicians had to discuss nuclear weapons policy. Our actions broke open the political debate. I hope that together we can here push nuclear weapons higher on the German political debate as well. Let's now make sure that the nuclear weapons here are a problem for the government as well. See you at the other side of the fence soon! And I hope you all want to make nuclear weapons a problem on NATO's birthday party in April as well.
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