Modernisierung der US-Atomwaffen

Tornado Flugzeug mit B61-Bombe. Foto© US-Luftwaffe
Passen die neuen Atombomben auf die alten Tornados?

Die USA planen, ihre Atombomben des Typs B61 zu modernisieren, damit sie bis 2050 einsatzbereit bleiben. Droht eine erneute Trendwende? Zurück zu nuklearer Modernisierung oder gar begrenzter nuklearer Wiederaufrüstung in Europa?

 

Nach derzeitiger Planung soll die neue Bombe B61-12 bis 2019 entwickelt werden, 2020 sollen deren Serienproduktion und Stationierung beginnen. Die neuen Bomben sollen eine geringere Sprengkraft haben als die meisten heute verwendeten, aber wesentlich treffgenauer sein. Das würde ihren militärischen Nutzen und die Einsetzbarkeit erhöhen. Mit der Modernisierung der B61 soll der Unterschied zwischen "taktischen" und "strategischen" Bomben beseitigt werden. Künftig soll ein und dasselbe Modell mit Jagdbombern und strategischen Bombern zum Einsatz kommen. Die Modernisierung hätte Auswirkungen auf die Zukunft der nuklearen Teilhabe. Sie könnte die künftige Rolle nuklearer Waffen in den strategischen Konzepten der USA und der NATO verändern bzw. stärken.

 

Die Modernisierung soll – so die derzeitige Schätzung – insgesamt etwa zehn Milliarden Dollar kosten.

 

Die Entwicklung der Bombe wurde bereits um zwei Jahre verlängert, die Entwicklung eines neuen nuklearwaffenfähigen Trägerflugzeugs, des Joint Strike Fighters, wurde noch einmal vertagt. Der Öffentlichkeit wird das Entwicklungsvorhaben als Lebensdauerverlängerungs- oder Kampfwerterhaltungsmaßnahme (Life Extension Program – LEP) vorgestellt. Im US-Kongress und in Fachkreisen fragt man sich jedoch, ob es sich bei der B61-12 nicht in Wirklichkeit um eine völlig oder weitgehend neue Bombe handeln wird, die mit den bisherigen B61-Bomben nur wenig mehr als die Typenbezeichnung und vielleicht einige Teile gemein hat. "Das ist das größte Vorhaben seit mehr als 30 Jahren, wahrscheinlich das Größte seit der Entwicklung der B61-3 und -4", sagt J. F. Nagel, der bisherige Leiter der Entwicklung beim Sandia National Laboratory über das Projekt.

 

Es stellt sich die Frage, ob die B61-12 die erste weitgehende Neuentwicklung einer US-Atomwaffe seit dem Ende des Kalten Krieges wird. Das stünde in einem deutlichen Kontrast zu Barack Obamas Prager Versprechen, sich für eine nuklearwaffenfreie Welt einzusetzen, und würde zudem der "2010 Nuclear Posture Review" klar widersprechen, die vorgibt: "Die Vereinigten Staaten werden keine neuen nuklearen Sprengköpfe entwickeln." Die Pläne für die B61-12 dienen nicht nur der Entwicklung einer (neuen) Nuklearwaffe, sondern auch der Rechtfertigung, Aufrechterhaltung und Modernisierung des nuklearindustriellen Atomwaffenkomplexes. Er soll ebenfalls modernisiert werden und das Programm soll eine neue Generation von Technikern und Wissenschaftlern schulen, die auch in 20 oder 30 Jahren noch neue, moderne Atomwaffen entwickeln und bauen könnte. Die Vision einer atomwaffenfreien Welt wird damit unglaubwürdig. Für die Modernisierung werden die nuklearen Kernkomponenten der in Europa gelagerten Version B61-4 benötigt. Um die B61-12-Bomben bauen zu können, müssen die alten Waffen aus Europa in die USA zurücktransportiert und dort zerlegt werden. Für die Friedensbewegung kann das nur heißen: Zum Abzug ein klares "Ja", zur Modernisierung und Rückkehr ein ebenso klares "Nein!".

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Der Tornado als Nuklearwaffenträger

BITS-Sachstand

[06.11.2012] 

Die Bundesrepublik Deutschland hat der NATO zugesagt, bis zu 46 Kampfflugzeuge vom Typ Tornado als Trägersysteme in abgestufter Bereitschaft für den Einsatz nuklearer Waffen zur Verfügung zu stellen. Da die NATO beschlossen hat, die Daueraufgabe Nukleare Teilhabe vorläufig beizubehalten, stellt sich die Frage, wie lange der Tornado noch in Dienst gehalten werden kann. Die Antwort auf diese Frage ist ein „bewegliches Ziel“. Otfried Nassauer schreibt über den Stand der Planung.

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