Junge Deutsche vor britischer Atomwaffenbasis festgenommen
Acht Jugendliche aus Deutschland, Wales und Belgien sind am Samstagmorgen während einer Blockade am Haupttor der britischen Atomwaffenbasis Faslane in Schottland festgenommen worden. Sie protestierten gegen die geplante Erneuerung des Atomwaffen- systems "Trident". Die Aktion war Teil der ein Jahr andauernden Blockadeaktionen von "Faslane 365". Die Zahl der bei den Aktionen festgenommenen Atom- waffengegner stieg damit auf 900 an. Unter ihnen waren auch zwei Überlebende des Atombomben- Abwurfs auf Nagasaki.
Aus vielen Ländern, von Wales bis Deutschland, von der USA bis Japan waren junge Leute angereist und begleiteten die Blockade mit einem lebendigen und abwechslungsreichen Programm. Die Gruppe entschied sich für die gewaltfreie Aktion, nachdem sich die Teilnehmer zuvor in Glasgow zu einer Aktionsakademie getroffen hatten, bei der sie sich über das Atom- waffensystem "Trident" und seine Bedeutung für Europa sowie die übrige Welt auseinandersetzten.
Großbritannien besitzt vier Atom-U-Boote, die mit dem "Trident"-System ausgestattet sind. Nach einem Beschluss des britischen Parlaments zu Jahresbeginn sollen das System erneuert werden. Die Jugendlichen sind der Meinung, dass die "Trident"-Erneuerung jedoch nicht nur Grossbritannien betrifft, sondern auch eine Gefahr für die Welt und künftige Generationen darstellt. Die Protestierenden hakten sich auf der Strasse zum Nordtor der Basis unter und klebten sogar ihre Hände mit speziellem Haftkleber zusammen. So wollten sie es der Polizei möglichst schwermachen, sie wieder voneinander zu trennen.
Unterstützung bekamen die Blockierenden von einer internationalen Clownsarmee, einer Teddyblockade, Tanz- und Musikeinlagen von japanischen Studenten und einer ergreifenden Rede eines Hibakusha, eines Japaners, der die Atombombe auf Hiroshima überlebte. Einige Protestierende widmeten die Aktion Ilya, dem 21jährigen russischen Anti-Atom-Aktivisten, der am 21. Juli bei einem Angriff von Rechtsradikalen auf ein Protestcamp am Baikalsee getötet wurde (wir berichteten).
Unter den Blockierenden waren zwei Jugendliche aus Deutschland, Stefan Hittmeyer (21) und Tobias Bollinger (22), der Belgier Andy Vermaut (30) und fünf Waliser, die zwischen 15 und 18 Jahre alt waren. Die 15-jährige Naomi Proszynska aus Wales berichtete: "Die Blockade hat meine Sichtweise auf viele Dinge verändert. Der Grund, warum viele Jugendliche bei diesen Themen nicht aktiv sind, ist nicht, dass es ihnen egal ist, sondern, dass sie zu wenig darüber wissen."
Die Jugendlichen wollen mit ihrer Aktion möglichst viel Aufmerksamkeit erzeugen, da sie Atomwaffen für eine internationale Gefahr für jedermann halten. Sie planen daher auch eine umfangreiche Medienkampagne, einen europäischen Postkartenwettbewerb und betreiben einen Internetblog auf www.bang-europe.org. Der wird nach der Aktion von fünf Mädchen weitergeführt, die mit dem "Peace Boat" nach New York weiterreisen wollen.
Das "Peace Boat" bereist mit amerikanischen und japanischen Teilnehmern verschiedene Länder und setzt sich für Frieden und die Abschaffung von Atomwaffen ein. Gemeinsam mit den europäischen Teilnehmern des Jugendnetzwerks BANg (Ban All Nukes generation) wollen die Amerikaner und Japaner in Faslane ein Zeichen dafür setzen, dass künftige Generationen nicht bereit sind, die Erblast der Atomwaffen auf sich zu nehmen.
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