02.05.2008

Für eine Welt ohne Bombe

In Genf proben Jugendliche ihr diplomatisches Geschick. Die Mission ist heikel: Sie müssen der atomaren Bedrohung entgegentreten.

"Delegierte" aus Libyen und Südafrika beraten beim PlanspielDas Szenario: brandgefährlich. Israel hat offiziell eingestanden über Kernwaffen zu verfügen, die Staaten der arabischen Liga fühlen sich bedroht - und kündigen an, aus dem Atomwaffensperrvertrag auszusteigen. Die Aufgabe: hochkomplex. Es gilt nicht nur, das Vertragswerk zu retten, es sollen darüber hinaus auch konkrete Schritte zur atomaren Abrüstung auf den Weg gebracht werden. Rund 70 Jugendliche, die meisten davon aus Deutschland, nehmen derzeit in Genf an einem UN-Planspiel teil. Sie übernehmen die Rolle von Diplomaten aus aller Herren Länder, entwerfen Positionspapiere, ringen um Absprachen, Kompromisse - und darum, die Welt vor einem neuen atomaren Wettrüsten zu bewahren. Die "Pressehütte Mutlangen", die sich für die nukleare Abrüstung starkmacht, sowie die Universität Hamburg und die Technische Universität Darmstadt haben die Verhandlungssimulation organisiert, inklusive der passenden Unterkunft für die Teilnehmer. Eine Woche lang wohnen die jungen Männer und Frauen in einem Atomschutzbunker der Vereinten Nationen. Der Friedensaktivist Wolfgang Schlupp-Hauck steht der 30-köpfigen deutschen Delegation zur Seite. Schlupp-Hauck ist ein Veteran der Anti-Atomwaffen-Bewegung. Er hat schon Mitte der 80er Jahre vor dem US-Armeestützpunkt in Mutlangen bei Schwäbisch Gmünd protestiert, auf dem Pershing-II-Raketen stationiert waren. Schlupp-Hauck, heute 50 Jahre alt, war 1984 beim Ostermarsch mit 30 000 Teilnehmern dabei und bei der mehrwöchigen Blockade des Depots im Herbst 1986. 1000 Demonstranten wurden im Verlauf der Aktion festgenommen. In Genf kümmert er sich nicht nur um die Jugendlichen. Zeitgleich zur Simulation findet nämlich auch eine UN-Konferenz statt, die die Überprüfung des Atomwaffensperrvertrags im Jahr 2010 vorbereitet. Schlupp-Hauck engagiert sich in der Initiative "Mayors for Peace", einem Zusammenschluss von mehr als 2000 Bürgermeistern weltweit. Darunter ist auch das Schwäbisch Gmünder Stadtoberhaupt Wolfgang Leidig. Leidig ist mit zahlreichen Kollegen nach Genf gereist. Sie fordern, alle Atomwaffen bis zum Jahr 2020 zu verschrotten.

STEFAN CZERNIN

Quelle: Südwest Presse

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Dr. med. Angelika Claussen, Vorsitzende der IPPNW

Friedenstafel vor Büchel, 2. Sept 2007

Friedenstafel vor Büchel

"Hands-Up!"-Aktion in Hamburg

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