21.03.2008

Friedensbewegung: Ostermärsche aktueller denn je - gegen Atombomben

DPA-Gespräch mit Paul Russmann, Kampagnenratsmitglied

Die Ostermärsche sind aus Sicht der bundesweiten Initiative "Ohne Rüstung Leben" aktueller denn je. "Überall in der Welt setzt sich die Gewalt des Stärkeren gegen die Stärke des Rechtes durch", sagte der Sprecher der kirchlichen Friedensorganisation, Paul Russmann, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Für Pazifisten im Südwesten gebe es genug Gründe, an Ostern für den Frieden und den Aufbau von zivilen Strukturen statt Militäreinsatz auf die Straße zu gehen. Deutsche Soldaten seien in Afghanistan. Durch den dortigen Einsatz des Kommandos Spezialkräfte (KSK) aus Calw, durch das US-Oberkommando für den Nahen und Mittleren Osten und Europa (EUCOM) sowie die neue Kommandozentrale für Afrika (Africom) in Stuttgart gebe es Verbindungen zwischen internationalen Konflikten und Baden-Württemberg. 

Die Elitetruppe KSK sei der Kontrolle des Parlaments und der Bevölkerung vollkommen entzogen, kritisierte Russmann. Die Daimler AG in der Landeshauptstadt beteilige sich über Anteile am Konzern EADS an Rüstungsgeschäften, fügte der Pazifist hinzu.

Die Ostermärsche in diesem Jahr, zu denen Russmann im Südwesten mehrere tausend Menschen erwartet, widmen sich unter anderem dem Thema Fahnenflucht. "Wir wollen auch dazu ermutigen, im Militär den Befehl zu verweigern." So treffen sich die Friedensbewegten am Karsamstag in Stuttgart am Deserteurdenkmal vor dem Theaterhaus.

Weitere Veranstaltungen sind in Mannheim, Ellwangen (Ostalbkreis) und Müllheim (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) geplant.

Die rückläufigen Teilnehmerzahlen in den vergangenen Jahren führt der Bankkaufmann und Theologe auf die "schleichende Gewöhnung an die Beteiligung Deutschlands an Kriegen" zurück. Zudem zweifelten immer mehr Bürger daran, dass ihr Widerstand etwas bewirken könne. "Ich bin aber überzeugt: Die Stimmung in der Bevölkerung hat verhindert, dass Deutschland mit Truppen in den Irakkrieg gezogen ist."

Bei den Ostermärschen wollen lokale und überregionale Friedensinitiativen auch auf die 20 US-Atombomben in Deutschland aufmerksam machen. Sie sind nach Angaben Russmanns im deutschen Fliegerhorst Büchel bei Cochem in Rheinland-Pfalz gelagert, der damit der einzige Nuklearwaffen-Standort in Deutschland ist. Den Einsatzbefehl habe der US-Präsident. "Wenn Deutschland diese Waffen loswürde, könnte es viel glaubwürdiger zwischen Atommächten und Nicht-Atomwaffen-Staaten vermitteln", sagte Russmann.

Dass die Deutschen kaum gegen die Stationierung zehntausender US- Soldaten und deren gefährliche Waffen in ihrem Land aufbegehren, liege an der Dankbarkeit der Bürger für die Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus und die Hilfe nach dem Krieg. "Das ist aber eine falsch verstandene Freundschaft mit den USA - als Freunde müsste man sich auch gegen Waffen auf dem eigenen Grundstück wehren dürfen", sagte der 52-jährige Russmann.

Gespräch: Julia Giertz, dpa

 

 

 

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