Erinnern an Hiroshima und Nagasaki
Die deutsche Friedensbewegung erinnert mit über 100 Veranstaltungen und Kundgebungen an die Atombombenabwürfe auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki am 6. und 9. August 1945. Mit den Aktionen wird der 150000 Toten gedacht, die infolge der Bombenangriffe starben, und es wird vor den nicht zu begrenzenden Risiken der Kernwaffen gewarnt.
»Die Gefahr des Einsatzes atomarer Waffen ist heute größer denn je«, heißt es in einer Presseerklärung des Bundesausschusses Friedensratschlag vom Sonntag. Die Bedrohung gehe zur Zeit hauptsächlich von den USA aus. Deren Administration vertrete offen die Doktrin nuklearer Erstschläge und senke mit der Entwicklung von bunkerbrechenden sogenannten Mininukes und dem geplanten Raketenabwehrsystem die Einsatzschwelle für Atomwaffen. Das Bonner Netzwerk Friedenskooperative äußerte sich am Wochenende besorgt über die geplante massive Aufrüstung der Golfregion durch die USA. Damit würden alle Bemühungen um eine umfassende Friedenslösung und die Beilegung des Atomstreits mit Iran torpediert. Daß andere Maßnahmen gegen Atombombenbesitz möglich seien, so das Bonner Netzwerk, zeige das nordkoreanische Beispiel des Verzichts durch wirtschaftlichen und politischen Interessenausgleich.
Auch in Deutschland lagern heute in Ramstein und Büchel noch immer US-Atomwaffen. Über deren genaue Anzahl herrsche Stillschweigen, so der Sprecher des Bundesauschusses Friedensratschlag, Peter Strutynski. Zwar sei vor einem Monat durchgesickert, daß der größte Teil der ursprünglich in Ramstein lagernden US-Atomwaffen aus Deutschland abgezogen worden sei. Sollte das stimmen, seien »nur« noch 20 bis 30 Sprengköpfe im Fliegerhorst Büchel. »Wenn es so ist, (…) dann muß die Bundesregierung dafür sorgen, daß dieser Schritt unumkehrbar gemacht wird«, fordert Strutynski. Deutschland müsse endlich aus der nuklearen Teilhabe im Rahmen der NATO aussteigen, »damit auch die restlichen Atomwaffen aus Deutschland verschwinden«.
Die Aktionen der Friedensbewegung haben am Sonntag mit der Enthüllung des Mahnmals »Atomwaffen abschaffen« im Hiroshima-Park in Köln begonnen. Sie enden am 9. August mit der traditionellen Lichteraktion des Kasseler Friedensforums auf der Fulda. Am Montag wird es unter anderem Aktionen in Bonn (18 Uhr, Beueler Rheinufer, Nähe Brückenforum), Bremen (12 bis 13 Uhr, Marktplatz), Büchel (8.15 Uhr, am Haupttor des Fliegerhorstes), Düsseldorf (14 bis 21 Uhr, Rathausplatz), Karlsruhe (16 bis 18 Uhr, Am Marktplatz), Mannheim (17 bis 18 Uhr, Paradeplatz) und München (18 bis 20 Uhr, Forum Münchner Freiheit) geben.
Quelle: Junge Welt, 6. August 2007
« zurück