ICAN Paris Forum 2020

Ein Erfahrungsbericht von Karoline vom Netzwerk Friedenskooperative

Erfahrungsbericht vom ICAN Paris Forum
Erfahrungsbericht vom ICAN Paris Forum

Am letzten Wochenende war das ICAN Paris Forum, bei dem ich teilnehmen durfte. Die zwei Tage waren gefüllt mit Gesprächsrunden, Workshops, Networking und Inspiration.

Am Freitag, den 14. Februar, begann das Forum im „Salle d’Olympe de Gouges“, mit einer kurzen einführenden Rede über Engagement und die anstehenden Tage von Beatrice Fihn (ICAN) und Jean-Marie Collin (ICAN-France). Das Programm startete direkt danach mit einem sehr emotionalen Programmpunkt: Setsuko Thurlow, eine Überlebende aus Hiroshima, erzählte uns ihre Geschichte und ihre Erlebnisse mit den grausamen Folgen des Atombombenabwurfes. Die vorher gefallenen Worte von Jean-Marie Collin  „emotion is powerful“ entfalteten ihre Wirksamkeit. Eindringlicher hätten wir nicht in die zwei Tage einsteigen können. Mit der Stimme von Setsuko Thurlow im Kopf hatte jeder der folgenden Programmpunkte eine intensivere Wirkung auf mich. Nach dem Zeitzeugenbericht von Setsuko Thurlow wurde über die Wichtigkeit von Überlebenden und ihren Berichten gesprochen. Am 75. Jahrestag von Hiroshima und Nagasaki in diesem Jahr steuern wir auf eine Zeit zu, in der es keine direkten Überlebenden mehr geben wird. Eine Herausforderung, die ernst genommen werden muss. Unsere Erinnerungskultur wird sich verändern, die Aufgabe wird es sein, die Stimmen der Überlebenden weiter zu tragen, damit die Folgen von Atomwaffen nicht in Vergessenheit geraten oder zu abstrakt werden.

Doch nicht nur die Erinnerung ist ein wichtiger Punkt, auch die Sichtbarkeit aktueller Probleme ist eine große Aufgabe. Mit Setsuko Thurlow saß auch die Aktivistin Leona Morgan auf der Bühne. Sie sprach mit uns über ihren Kampf gegen Uran-Minen in ihrer Heimat und wie die indigene Bevölkerung unter dem „nuklearen Kolonialismus“ leidet. Unter diesen Begriff fallen die Atomwaffentest der westlichen Staaten auf fremdem Territorium und die Folgen dieser Tests, die Minen zum Abbau von Uran und die Transporte durch das Land haben. Die genaue Schilderung der Konsequenzen von Atomwaffen auf die indigene Bevölkerung waren sehr bewegend und sind für mich ein sehr starkes Argument um dem Pro-Atomwaffen-Framing etwas entgegen zu setzen, denn sie entkräftet die Behauptung, Atomwaffen würden aktuell keinen Schaden anrichten.

Im darauf folgenden Programmpunkt mit dem Namen „So You Wanna Change The World“ wurde das Konzept des ICAN Paris Forum für mich deutlich, das große Thema war natürlich die Abrüstung von Atomwaffen, doch die eingeladenen Sprecher*innen kamen aus ganz verschiedenen Richtungen. Durch diese vereinte Kraft von Umweltaktivist*innen, Menschenrechtsaktivist*innen, Anti-Rassismus-Aktivist*innen, Forscher*innen, Feminist*innen, Künstler*innen und ICAN-Aktivist*innen war das ICAN Paris Forum ein sehr diverser und vielschichtiger Ort zum Diskutieren und Nachdenken über eine bessere Welt – eine atomwaffenfreie Welt.
Für mich persönlich war in diesem zweiten Programmpunkt vor allem eine Sprecherin sehr beeindruckend: Karlene Griffiths Sekou von „Black Lives Matter“ hat mit ihrer ruhigen und eindringlichen Stimme, die Aufmerksamkeit im ganzen Saal auf sich gezogen. Wir kämpfen gegen Atomwaffen und für die Bedeutsamkeit des Lebens, der Menschen, sagte sie uns. Doch solange „Black Lives“ nicht zählen, zählt überhaupt kein Leben in unserer Gesellschaft. Aus diesem Grund müssen der Kampf und das Engagement gegen Atomwaffen intersektional mit anderen Thematiken sein und bleiben. Es geht darum Brücken zu bauen und Aktivist*innen zu verbinden. Diese Verbindung konnte ich über das ganze Wochenende hinweg spüren und war für mich ein sehr inspirierender Eindruck.

Um die Atombomben wieder in den Fokus zu schieben, wurde im nächsten Programmpunkt über die Risiken und Konsequenzen eines Atombombenabwurfes gesprochen. Mit Rebecca Johnson (Acronym Institute), die mit einer solchen starken Überzeugung allen im Saal noch einmal bestätigt hat wie wichtig der Kampf gegen Atomwaffen und Rüstung ist.

An diesem ersten Tag ging es dann noch weiter mit möglichen Antworten auf Pro-Atomwaffen-Framing und einer Diskussion über Kunst als ein politisches Mittel.

Der zweite Tag vom ICAN Paris Forum startete unter dem Titel „Fight the Power“ und verband noch einmal unterschiedliche Aktivist*innen. Beindruckende Persönlichkeiten, wie Faiza Oulahsen (Greenpeace Netherlands) oder Ray Acheson (WILPF) erzählten uns, wie sie gegen die großen Mächte unserer Welt ankämpfen. Deutlich wurden hierbei wie das Militär, das Patriarchat, große Konzerne, der Kapitalismus und koloniale Mächte für alle Anwesenden gleichermaßen, der „Gegner“ ist. Besonders interessant waren für mich persönlich hierbei die Reflektionen über die Auswirkung der vorherrschenden patriarchalen Strukturen in unserer Gesellschaft, die darauf aufbauen, dass „maskuline“ Eigenschaften für uns Macht bedeuten. Atomwaffen sind ein sehr passendes Beispiel, denn sie sind der Inbegriff von Machtdemonstration, durch Stärke, Zerstörungskraft und wie Trump uns gut verdeutlicht „I too have a Nuclear Button, but it is a much bigger & more powerful one than his, and my Button works!“ einem sich-gegenüber-seinen-Feinden-beweisen.

Bevor der zweite Tag des ICAN Paris Forum zu Ende gehen sollte, wurde über die Zukunft von Aktivismus gesprochen. In einem Workshop ging es darum, wie man mit sozialen Netzwerken und der Veränderung in Berichterstattung umgeht, wie plakativ man seine Inhalte konzipieren kann und wann man aufpassen muss seine Inhalte nicht zu vereinfachen. Es ging um Bildung und die Frage, wie man bestimmte Thematiken „unter das Volk bringen“ kann. Danach ging es mit Sylvie Brigot (Amnesty International France), Chaja Merk (Extinction Rebellion) und Laura Boillot (Article 36) weiter. Wie schon öfter an diesem Wochenende lag der Fokus auf der Verbindung verschiedener Ziele, um verschiedene Aktivist*innen und NGOs zusammen zu bringen, sodass jede*r einzelne mit seiner Expertise die Bewegung voran bringen kann.

Um das ICAN Paris Forum zu beenden, haben wir einen Teil der Performance „Hiroshima Monster Girl“ von Sachiko Hara gesehen, welche am Ende ihrer Aufführungen die Teilnehmer*innen sogar aufgefordert hat am Friedenscamp in Büchel teil zu nehmen.

Für mich war das ICAN Paris Forum eine sehr interessante und inspirierende Zeit. Das ICAN Paris Forum hat deutlich gemacht, dass überall auf der Welt Menschen existieren, die sich für die gleichen Ziele einsetzen wie wir. So viele verschiedene Menschen auf einem Fleck zu sehen, die alle eine interessante Geschichte und einen großen Willen zur Veränderung zeigen, hat mir sehr viel Motivation für mein Engagement gegeben und neue Ideen und vor allem sehr viele Informationen.

Die Panels vom ICAN Paris Forum können hier auf Facebook angeschaut werden.

 

Karoline ist Praktikantin bei unserer Trägerkreisorganisation Netzwerk Friedenskooperative.

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